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HALMA. Hallische Medienarbeiten 19

Florian Hartling: Wo ist der Online-Ulysses? Kanonisierungsprozesse in der Netzliteratur

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Inhalt

Abstract
0 Vorwort
1 Einleitung
1.1 Gibt es einen Kanon der Netzliteratur?
1.2 Zur Legitimation dieser Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Abgrenzungen und Begriffe
2.2 Handlungsrollenmodell: Der Literatur"betrieb" im Netz
2.3 Kanonmodell der Literaturwissenschaft
2.4 Untersuchungsmethode: Rosengrens mention analysis
3 Praktische Anwendung: Analyse des Netzliteraturdiskurses
3.1 Untersuchtes Sample
3.2 Modifizierte mention analysis
3.3 Computergestützte Auswertung
3.4 Ergebnisse der Analyse
4 Resümee
4.1 Noch kein Kanon des Nischenphänomens Netzliteratur
4.2 Weiterer Forschungsbedarf
4.3 Ausblick
5 Bibliographie
6 Anhang

Abstract

Netzliteratur ist ein relativ junges Phänomen, welches seine Wurzeln sowohl in den Experimenten der visuellen und konkreten Poesie als auch in den Anwendungen von Hypertext hat. Mit der zunehmenden Bedeutung und Nutzung von Computer- und Netzwerktechnologien ist diese neue Form von Literatur "erwachsen" geworden: Gegenwärtig wird sie als eine der wichtigsten Einflüsse der gegenwärtigen Kunst angesehen. Netzliteratur verbindet nicht nur Sound, Video und Animationen mit interaktiven Elementen und erlaubt damit neue Formen künstlerischen Ausdrucks. Sie löst darüber hinaus die traditionellen Rollen des literarischen Systems auf: Der Tod des Autors bedeutet die Geburt des schreibenden Lesers. In dieser Studie soll das Konzept des "Kanons", was in der traditionellen (empirischen) Literaturwissenschaft entwickelt wurde, auf Netzliteratur übertragen und nutzbar gemacht werden. Die Leitfrage ist dabei: Ist gegenwärtig bereits ein solcher Kanon existent und wie modelliert er sich heraus? Basierend auf dem Handlungsrollenmodell und einer Modifikation von Karl Erik Rosengrens mention analysis wurde ein Sample von deutschen Aufsätzen und Besprechungen zu Netzliteratur untersucht. Von zentralem wissenschaftlichen Interesse war dabei: Wie beziehen sich die Autoren auf Netzliteratur? Welche Projekte und Texte werden als bereits kanonisiert angesehen? Welche Internetdienste beeinflussen diesen Kanonisierungsprozess und wie? Diese Studie versteht sich schließlich vor allem auch als Test der Anwendbarkeit von Rosengrens Methode für die Untersuchung von Netzliteratur: Ist es zulässig, für diesen Zweck eine Methode zu benutzen, die ursprünglich zur empirischen Analyse des traditionellen literarischen Kanons entwickelt wurde? Damit soll ein Beitrag geleistet werden zur Diskussion um die Anwendbarkeit von traditionellen Methoden auf das neue Medium Internet.

"Net literature" is a relatively young phenomenon that has its roots as well in the experiments of visual and concrete poetics as in the application of hypertext. With the extensive use of computer- and network-technologies this new kind of literature has grown up and is now considered to be one of the most important influences of recent art. Not only does "net literature" connect sound, video and animation with interactivity and allows new forms of artistic expression. It also destroys the traditional functions in the literary system: The 'death of the author' gives birth to the writing reader. In this study a first attempt is made to apply the concept of "canon" to "net literature": Is there already a "canon" existing and if so, what are the techniques that are used to form this "canon"? Based on a theory of action and a modification of Karl Erik Rosengren's "mention technique" a sample of German reviews on "net literature" was analyzed. The main research interests were: How reviewers refer to "net literature", which projects are considered to be of exceptional quality and which internet services influence this process of canonization (and how). This study is also regarded as a test of the applicability of Rosengren's method for the analysis of "net literature": Is it valid to use a method that was originally designed for the empirical study of the (traditional) literary canon for this purpose?

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