Monographien und Sammelbände
2012
Cornelia Bogen et al. (2012): Gefühllose Aufklärung
Wer von Gefühlen, Empfindungen oder Emotionen spricht, sollte sich bewusst sein, dass darunter nichts Natürliches und Selbstverständliches zu verstehen ist. Dies gilt für die Erforschung der Gefühlskultur des 18. Jahrhunderts ebenso wie für die gegenwärtige Konjunktur der Emotionsforschung. Gerade der Blick auf die intensive Auseinandersetzung mit der Empfindung im 18. Jahrhundert lehrt, dass Empfindungen ihre Geschichte haben, dass sie auf vielfältige Weise im Subjekt hervorgebracht und intensiviert werden können. Empfindungen können aus der religiösen oder pädagogischen Praxis, aus den Künsten und den literarischen Moden stammen.
Die Beiträge des vorliegendes Bandes zeigen, dass dieselben Wissensgebiete, in welchen der Diskurs der Empfindung entsteht, in einer oft komplementären Dynamik deren 'negative' Abbilder formieren. In der Psychologie, Religion, Anthropologie, der schönen Literatur, den bildenden Künsten des 18. Jahrhunderts richtet sich der Blick auf eine beharrliche Auseinandersetzung mit einer komplexen und facettenreichen Unempfindlichkeit.
Katja Battenfeld/ Cornelia Bogen/ Ingo Uhlig/ Patrick Wulfleff (Hgg.): Gefühllose Aufklärung. Anaisthesis oder die Unempfindlichkeit im Zeitalter der Aufklärung. Bielefeld: Aisthesis. 345 Seiten, ISBN 978-3-89528-854-8.
Uta Kolano (2012): Kollektiv d'amour: Liebe, Sex und Partnerschaft in der DDR
In der DDR wurden überdurchschnittlich viele junge Ehen geschlossen – warum wurden so viele auch wieder geschieden? Homosexualität wurde rechtlich früher als in der Bundesrepublik akzeptiert – war sie deshalb weniger tabuisiert? Umfragen zufolge hängten die Ostdeutschen in punkto sexueller Zufriedenheit die Westdeutschen um Längen ab – wie war das möglich ohne Sexshops und Pornofilme? Liebeslust oder Liebesfrust – wie liebten sie wirklich, die Ostdeutschen? Inwieweit prägten Ideologie und Gesetzgebung Liebe und Partnerschaft in der DDR?
All diesen Fragen geht Uta Kolano nach. 1994 produzierte die Fernsehjournalistin für die ARD die aufsehenerregende Dokumentation »Der nackte Osten. Erotik zwischen oben und unten«. Seither hat sie das Thema nicht mehr losgelassen. Über Jahre hat sie recherchiert, Interviews geführt und die unterschiedlichen Facetten des Themas unter die Lupe genommen.Entstanden ist eine vielschichtige Kulturgeschichte zum Themenkomplex Liebe und Sexualität in der DDR. Fundiert und unterhaltsam – und mit persönlicher Note – beschreibt sie das Moralverständnis sowie den partnerschaftlichen und sexuellen Alltag unter den speziellen Rahmenbedingungen des sozialistischen Staates. Sie findet Antworten, deckt Widersprüche auf und zeichnet die verschiedenen Phasen in der Geschichte der DDR nach. Dabei lässt sie zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen, darunter so prominente wie den Aktfotografen Günter Rössler, den Silly-Gitarristen Uwe Hassbecker, die Journalistin Jutta Resch-Treuwerth (»Unter vier Augen«), Heidi Wittwer, die erste Stripperin der DDR, und den Leipziger Sexualforscher Kurt Starke.
Uta Kolano (2012): Kollektiv d'amour: Liebe, Sex und Partnerschaft in der DDR. Berlin: Jaron. 256 Seiten, ISBN-13: 978-3897736696.
2011
Sara Ginolas (2011): Weblogs iranischer Frauen. Freiräume für Kritik und Selbstausdruck
Weblogs haben sich im Iran rasend schnell etabliert und innerhalb der dortigen Medienlandschaft eine bedeutende Stellung eingenommen. Diese Arbeit widmet sich den Gründen für dieses Phänomen und stellt weibliche iranische Blog-Autorinnen dabei in den Vordergrund. Frauen sind im Iran von den staatlichen Reglementierungen besonders betroffen, weshalb ihre Art der Nutzung von Weblogs sowie ihre Thematiken von besonderem Interesse sind. Weblogs stellen einen medialen Freiraum dar, in denen gleichzeitig persönliche sowie öffentliche Kommunikation stattfindet. Gesellschaftlich heikle Themen werden diskutiert, ohne starke Rücksicht auf traditionelle Normen nehmen zu müssen. Diese Erfahrung ermöglicht neue Wege zur Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung. Dies wird auch anhand der analytischen Betrachtung eines exemplarischen Weblogs ersichtlich.
Sara Ginolas (2011): Weblogs iranischer Frauen. Freiräume für Kritik und Selbstausdruck. HALMA. Hallische Medienarbeiten 24, 2011. 53 Seiten, ISSN 0949-1880.
2010
Claudia Dittmar (2010): Feindliches Fernsehen
Fernsehen in der DDR war sowohl für die Zuschauer als auch für die Programmmacher mehr als nur das DDR-Fernsehen. Der Blick in den Westen bzw. in seine Fernsehprogramme war allgegenwärtig: Im Osten sah man auch den Westen. Die »feindlichen« Sender machten dem Fernsehen der DDR aber nicht nur die Zuschauer abspenstig, sie setzten mit ihrem Programmangebot auch Maßstäbe und fungierten immer wieder als Messlatte für eigene Leistungen. Claudia Dittmar liefert erstmals eine (ost-)deutsche Fernsehgeschichte von den 1950er bis zu den 1980er Jahren, die auf das Konkurrenzverhältnis beider deutscher Fernsehsysteme fokussiert ist – und damit den Kalten Krieg im Äther rekonstruiert.
Weitere Informationen: http://www.transcript-verlag.de/ts1434/ts1434.php
Claudia Dittmar (2010): Feindliches Fernsehen. Das DDR-Fernsehen und seine Strategien im Umgang mit dem westdeutschen Fernsehen. Bielefeld: transcript. 494 Seiten, ISBN 978-3-8376-1434-3.
Kathrin Fahlenbrach (2010): Audiovisuelle Metaphern
Audiovisuelle Unterhaltungsmedien lösen bei ihrem Publikum Gefühle und körperliche Reaktionen aus, die ihren Konsum für viele erst reizvoll machen. Im medialen Gefüge verschmilzt dabei die sinnliche Qualität der Bilder und Klänge mit komplexen Erzählstrukturen und kulturell codierten Bedeutungszusammenhängen.
In Verbindung von kognitiver Metapherntheorie, Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie sowie aktuellen Positionen der Film- und Medienwissenschaften präsentiert das Buch einen neuen metapherntheoretischen Ansatz der Medienanalyse. Dieser Ansatz ermöglicht es, die assoziative Vernetzung kultureller und körperlich-affektiver Bedeutungen in der Ästhetik und Wahrnehmung von Film und Fernsehen systematisch zu untersuchen. Das Buch zeigt, dass vor allem wirkungsintensive Unterhaltungsangebote auf kognitive Metaphern des Denkens zurückgreifen, durch die wir uns komplexe Zusammenhänge, abstrakte Ideen, aber auch ‚unsichtbare' Emotionen sinnlich konkret vorstellen: den Verlauf von Zeit etwa als ‚Fluß' oder Glücksempfinden als ‚eine explodierende Kraft'. Die Autorin analysiert anhand zahlreicher Beispiele, wie Filme, Fernsehberichterstattung und Werbung solchen wahrnehmungsbasierten Metaphern in Bild und Ton eine audiovisuelle Gestalt geben, mithilfe derer sie komplexe Narrative, Informationen oder Werbebotschaften auf bereits vorbewusst wirksame Weise kommunizieren.
Weitere Informationen: http://www.schueren-verlag.de/paymate/Audiovisuelle+Metaphern_AID2640.html
Kathrin Fahlenbrach (2010): Audiovisuelle Metaphern. Zur Körper- und Affektästhetik in Film und Fernsehen. Marburg: Schüren. 304 S, ISBN: 978-3-89472-694-2.
Cordula Günther, Ulrike Roßbach (2010): Kataloge als Medien?
Cordula Günther: Kataloge? Find’ ich gut! Kataloge als Medien und kulturelle Aspekte der medialen Wareninszenierung
Kataloge können als Teil von werblichen Maßnahmen betrachtet werden. So werden sie z. B. als eine Möglichkeit adressierter medialer Direktwerbung aufgefasst. Während die Werbung insgesamt sowie einzelne Werbeformen sich großer medienwissenschaftlicher Aufmerksamkeit erfreuen, sind Kataloge oder Versandhauskataloge bislang eher Gegenstand der Marktforschung bzw. angewandten Medienwirkungsforschung geblieben.
Dieser Beitrag möchte Versandhauskataloge zum Gegenstand medienwissenschaftlicher Überlegungen machen. Kataloge werden hier als Medium, d. h. unter dem Aspekt ihrer Medialität betrachtet. Kataloge können als Verzeichnisse, als eine „Nomenklatur der Dinge“ (Baudrillard) aufgefasst werden. An der Systematisierung und Darstellung von Waren bzw. Produkten in Katalogen interessieren besonders zwei Sachverhalte: 1. die mediale Stellvertretung der Waren in Wort und Bild. 2. die Art und Weise, wie die mediale Präsentation bzw. Inszenierung von Waren und der Warenkonsum mit kulturellen Bedeutungen aufgeladen werden.
In der Verbindung dieser beiden zentralen Fragen geht es darum, wie die kulturellen Aspekte der Warenpräsentation durch Text und Bild erreicht werden, um die spezifischen Leistungen von Sprache für die Konkretisierung von Bildern sowie um unterschiedliche Waren- bzw. Bildinszenierungsstile und Vorschläge ihrer Systematisierung. Ein abschließender Blick gilt deshalb den Verbrauchertypologien, die ebenfalls die kulturellen Aspekte des Warenkonsums hervorheben.
Ulrike Roßbach: Wohnst du noch oder lebst du schon? Analyse und Rekonstruktion des Zusammenhanges zwischen Wohnrauminszenierung und Lebensstil am Beispiel IKEA
Das schwedische Einrichtungsunternehmens Ikea erfreut sich weltweit einer gewissen Bekanntheit, es ist zu einem wahren „Phänomen Ikea“ geworden. Doch Ikea ist mehr als ein Möbelhaus, das sich durch niedrige Preise und die Popularisierung des skandinavischen Einrichtungsstils einen Namen gemacht hat. Rüdiger Jungbluth bezeichnet Ikea als eine „Stilschule“, die sich mehr als andere Unternehmen damit schmücken kann, Lifestyle zu verkaufen.
Lebensstile werden dabei im Kontext der weiteren Ausführungen als Ausdruck sozialer und materieller Lagen, biographischer Erfahrungen und individueller Lebenshaltungen, Lebenspläne und ästhetischer Gestaltungsleistungen verstanden. Es wird Bezug genommen auf die Kultursoziologie zur Lebensstilanalyse von Gerhard Schulze, in der er soziale Milieus im Wandel von der Knappheitsgesellschaft zur Überflussgesellschaft definiert. Er bestimmt fünf Milieus, die auf den Untersuchungsgegenstand angewendet werden. Ausgehend von den milieuindizierenden Zeichen der Bildung und des Lebensalters wird eine Einordnung der von Ikea präferierten Zielgruppe im Selbstverwirklichungsmilieu vorgeschlagen. Zudem erscheint es möglich, vereinzelt Zeichen für eine Ansprache des Niveaumilieus herauszustellen.
Allerdings bedarf dieser Zusammenhang keiner Analyse der Wohnrauminszenierung. Daher sollen jene Anzeichen herauskristallisiert werden, die als verortungsrelevant einzustufen sind und Rückschlüsse auf eine Lebensstilgruppe ermöglichen. Ausgehend von dem herausgestellten sozialen Milieu ist hier nach den Qualitäten zu fragen, welche sich dementsprechend in den Wohnrauminszenierungen wieder finden sollen.
Weitere Informationen / Download des Bandes: http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma23/
Cordula Günther/ Ulrike Roßbach (2010): Kataloge als Medien? HALMA. Hallische Medienarbeiten 23, 2010. 74 Seiten, ISSN 0949-1880.
Florian Hartling/Beat Suter (Hrsg.) (2010): Archivierung von digitaler Literatur
Netzliteratur ist aktuell, interaktiv, subjektiv und gut vernetzt. Doch wie haltbar ist Netzliteratur? Wie lange bleiben Texte, die auf Webseiten veröffentlicht werden, lesbar? Was passiert mit den alten Ausgaben, wenn eine Literaturzeitschrift “vom Netz geht”? Wie archiviert man einen Blog? Sollen Texte, die bewusst im flüchtigen Medium Internet veröffentlicht werden, überhaupt allesamt für die Nachwelt erhalten werden?
Es mutet ironisch an, dass der vergängliche Charakter des Netzes einem Medium anhaftet, das für Dokumentation und Archivierung eigentlich sehr geeignet zu sein scheint. Und doch bleibt jede Webseite durchschnittlich weniger als 100 Tage im Netz unter ihrer Originaladresse abrufbar. Danach zieht sie um oder wird komplett gelöscht. Dies gilt selbstverständlich auch für Netzliteratur. Verschiedene Genres drehen den Spieß allerdings um. In diesen Konzeptionen sind die Probleme von Archivierung und Musealisierung überhaupt nicht vorhanden, sondern explizit ausgeschlossen. Das Temporäre und Flüchtige wird zum Thema der Literatur.
In dieser Sonderausgabe der Zeitschrift SPIEL: “Siegener Periodium zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft” werden neue Verfahren und Gegenstände der Archivierung von Netzliteratur vorgestellt, wobei sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten sind. Es kommen Künstler und Wissenschaftler ebenso zu Wort wie die mit der Archivierung beauftragten Institutionen.
Florian Hartling, Beat Suter (Hrsg.) (2010): Archivierung von digitaler Literatur: Probleme – Tendenzen – Perspektiven. Frankfurt am Main: Peter Lang. 289 S, ISBN 978-3-631-80119-2. (= Sonderheft SPIEL: Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft. Jg. 29 (2010). H. 1+2)
Sebastian Pfau/ Sascha Trültzsch (Unter Mitarbeit von Katja Kochanowski und Tanja Rüdinger) (2010): Von den Krügers bis zur Feuerwache
Familienserien gehörten zu den beliebtesten Genres des DDR-Fernsehens. Die Wiederholungen in den ostdeutschen Rundfunkanstalten bis heute und zahlreiche DVD-Neuerscheinungen gerade in diesem Jahr zeigen, dass sie sich auch jetzt noch großer Beliebtheit erfreuen. Dies hat nicht nur nostalgische Gründe. Von den vierzig Familienserien, die zwischen 1960 und 1991 im DDR-Fernsehen produziert wurden, zeichnen sich viele durch eine hohe filmästhetische und dramaturgische Qualität aus – verstand man Serien doch als „Kunst im Alltag“. Obwohl die Sendungen auch immer eine unterschiedlich stark ausgeprägte politisch-ideologische Intention hatten, thematisierten sie doch den Alltag in der DDR und konnten ab den späten 1970er Jahren auch immer häufiger Probleme eben dieses Alltags ansprechen.
Dieser Band fasst die wichtigsten Ergebnisse des Teilprojektes „Familienserien im Fernsehen der DDR“ der DFG-Forschergruppe knapp zusammen und gliedert sich dabei in zwei große Teile. Im ersten Teil werden die methodischen Grundlagen der Projektarbeit systematisiert und die wesentlichen Ergebnisse von Analyse und Interpretation der Familienserien überblicksmäßig dargestellt. Der zweite Teil – das Vademekum – stellt alle Familienserien des DDR-Fernsehens mit Angaben zu Stab und Inhalt sowie kurz zusammengefassten Analyseergebnissen vor und versteht sich somit als Begleitbuch für alle, die sich zukünftig mit diesem Genre auseinandersetzen wollen. Dem Buch liegt eine Datenbank auf CD-Rom bei, die als umfassendes Recherche-Instrument genutzt werden kann.
Weitere Informationen: http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,1046
Sebastian Pfau/ Sascha Trültzsch (unter Mitarbeit von Katja Kochanowski und Tanja Rüdinger) (2010): Von den Krügers bis zur Feuerwache. Vademekum der Familienserien des DDR-Fernsehens. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. 466 Seiten und Datenbank CD-Rom, ISBN: 978-3-8658-3012-8.
Daniela Pscheida (2010): Das Wikipedia-Universum
Das World Wide Web ist zu einem Medium nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information und Wissensaneignung geworden. Kollektiv erstellte Netzinhalte – User Generated Content – werden heute immer selbstverständlicher als Wissensquelle herangezogen.
Plattformen wie »Wikipedia« kommen dem wachsenden Bedürfnis nach aktueller, rasch zugänglicher Information offenbar besonders entgegen. Weniger wichtig scheinen hingegen Objektivität und Verlässlichkeit der dort zu findenden Wissensinhalte. Stehen wir am Beginn eines kulturellen Wandels, der den gesellschaftlichen Umgang mit Wissen und Wissensprodukten grundlegend verändern wird?
Der Band widmet sich gezielt dieser Frage nach dem wissenskulturreformerischen Potential des Internet und liefert zudem eine allgemeine theoretische Modellierung wissenskultureller Wandlungsprozesse. Ein systematischer Beitrag zur aktuellen Auseinandersetzung um die kulturelle Relevanz dieses neuen Leitmediums.
Daniela Pscheida (2010): Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert. Bielefeld: transcript. 522 Seiten, ISBN 978-3-8376-1561-6.
Gerhard Lampe und das Team: Thomas Knebel, Sebastian Schubert, Tim Peschka, Jessen Mordhorst. (2009): Begleit-DVD zu: "Aufgedeckt II. Forschungsgrabungen am Magdeburger Dom 2006-2009"
In dem Buch werden die ersten Zwischenergebnisse der laufenden Kirchengrabungen präsentiert, die vor allem die Klärung der Vorgängerbebauung des gotischen Doms zum Ziel haben. Die aufsehenerregenden Ausgrabungen haben nicht nur einmalige Bestattungen hervorgebracht, sondern bereits jetzt das Bild des ottonisch-romanischen Zentrums von Magdeburg bedeutend erweitert.
Die Grabungen und begleitenden Untersuchungen, deren Ergebnisse in "Aufgedeckt II" vorgestellt werden, fanden zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2009 statt. Der Band stellt damit einen Zwischenstand der Forschungen im Magdeburger Dom nach der ersten und zweiten Grabungskampagne dar, die sich insgesamt, mit zwischenzeitlicher Aufarbeitung und Auswertung, über 28 Monate erstreckten. Die dritte Grabungskampagne findet aktuell mit insgesamt 15 Mitarbeitern statt.
Dem Band "Aufgedeckt II" liegt eine DVD bei mit einer knapp zweistündigen Videodokumentation von Gerhard Lampe und seinem Team bei.
Weitere Informationen: http://www.lda-lsa.de/aktuelles/meldung/datum/2010/04/22/aufgedeckt_ii_neues_buch_zu_den_magdeburger_domgrabungen_erschienen/
Gerhard Lampe und das Team: Thomas Knebel, Sebastian Schubert, Tim Peschka, Jessen Mordhorst.: Begleit-DVD. In: Harald Meller, Wolfgang Schenkluhn, Boje E. Hans Schmuhl (Hrsg.) (2009): Aufgedeckt II. Forschungsgrabungen am Magdeburger Dom 2006-2009. Halle: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, ISBN: 978-3-939414-44-5.
Matthias Buck, Florian Hartling, Sebastian Pfau (Hrsg.) (2010): Randgänge der Mediengeschichte
Die „Randgänge der Mediengeschichte“ umkreisen bekannte und unbekannte Territorien der Historiographie und widmen sich damit einem der größeren Themengebiete der Medien(kultur)wissenschaft. Der vorliegende Band stellt aktuelle Forschungspositionen zusammen, die noch vorhandene weiße Flecken im Feld explorieren. Dazu gehört der große mediengeschichtliche Überblick ebenso wie Einzelstudien zur Bildgeschichte von den Ikonen bis zum digitalen Bildschnitt, zu Emotionen und Medien aus mediengeschichtlicher Perspektive, zur Technikgeschichte der Medien, zur Geschichte von Hören und Medien, zur Geschichte von Medien und Öffentlichkeit sowie zur Medienanalyse unter medienhistorischer Fragestellung. Dabei werden unterschiedliche systematische Facetten der Mediengeschichtsschreibung beleuchtet, sei es die technische Herausbildung von Einzelmedien, die Geschichte von institutionellen Entwicklungen oder die Beschreibung von programmgeschichtlichen Aspekten. Weitere Informationen: http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-16779-4/Randgaenge-der-Mediengeschichte.html
Matthias Buck, Florian Hartling, Sebastian Pfau (Hrsg.) (2010): Randgänge der Mediengeschichte. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 322 Seiten, ISBN 978-3-531-16779-4
Sascha Trültzsch, Thomas Wilke (Hrsg.) (2010): Heißer Sommer - Coole Beats
Heißer Sommer – Coole Beats heißt das jüngst erschienene Buch der beiden Medien- und Kommunikationswissenschaftler Sascha Trültzsch und Thomas Wilke und es beschäftigt sich mit populärer Musik und ihren medialen Repräsentationen in der DDR. Das recht weit gespannte Feld thematisiert das besondere Verhältnis zwischen staatlicher Kontrolle, Kreativität und popkultureller Entwicklung. Dieser Sammelband vereinigt Beiträge über Poster in Zeitschriften (Bernd Lindner), der Inszenierung von Jugendkultur im DDR-Fernsehen (Ed Larkey), thematische Rundfunk-Ausflüge: zum Jazz (Rainer Bratfisch), zum Heavy Metal (Uwe Breitenborn), zum Schlager (Christian Könne). Weitere Themen des Bandes sind DEFA-Filme (Georg Maas), Familienserien (Sascha Trültzsch), Sozialistischer Pop (Heiner Stahl) sowie Diskotheken (Thomas Wilke).
Weitere Informationen: http://www.peterlang.de/Index.cfm?vID=58609&vHR=1&vUR=2&vUUR=1&vLang=D
Sascha Trültzsch, Thomas Wilke (Hg.) (2010): Heißer Sommer - Coole Beats. Zur populären Musik und ihren medialen Repräsentationen in der DDR. Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang. 215 Seiten, ISBN 978-3-631-58609-9
2009
Sebastian Pfau (2009): Vom Seriellen zur Serie – Wandlungen im DDR-Fernsehen
Fernsehserien entsprechen durch ihr periodisches Auftreten nicht nur der strukturierten Form des Massenmediums Fernsehen, sondern sie eignen sich auch besonders gut, um in den ebenfalls durchstrukturierten Alltag der Fernsehzuschauer integriert zu werden. Dieses Genre spielt in der Programmgeschichte vor allem deshalb eine herausragende Rolle, weil es jenseits von nonfiktionalen informierenden Programmangeboten auf unterhaltende Art und Weise Leitbilder transportieren kann. Im Unterschied zu vordergründiger Propaganda werden Serien vom Rezipienten nicht als von oben oktroyiert, sondern als angenehm und kurzweilig empfunden. Zudem werden sie nicht im gleichen Ausmaß wie nonfiktionale Sendeformen an der Realität gemessen. Somit sind sie weniger mit den Anforderungen an Authentizität konfrontiert und können so vielfältige Formen der Bearbeitung des Alltags der Rezipienten aufgreifen, ohne per se dem Ideologieverdacht zu unterliegen. Sebastian Pfau widmet sich in seiner Arbeit der Aufarbeitung der Entwicklungsgeschichte von Familienserien im Programm des DDR-Fernsehens und nimmt dabei eine deskriptive Analyse der thematischen, dramaturgischen, qualitativen und quantitativen Entwicklungstendenzen vor.
Weitere Informationen: http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,930
Sebastian Pfau (2009): Vom Seriellen zur Serie – Wandlungen im DDR-Fernsehen. Die Entwicklung von fiktionalen Serien im DDR-Fernsehen mit dem Schwerpunkt auf Familienserien. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. 245 Seiten, ISBN 978-3-86583-348-8
Thomas Wilke (2009): Schallplattenunterhalter und Diskothek in der DDR
Diskotheken entstanden in der DDR am Ende der 60er Jahre nicht wie in anderen Ländern aus privatwirtschaftlicher Initiative als Regulativ eines nachgefragten Angebotes, sondern unter einengenden staatlichen Vorstellungen, Vorgaben und Kontrollen, zugleich aber auch unter staatlicher Protektion, Integration und Förderung. Der Band geht der dynamischen Diskothekenentwicklung nach, rekonstruiert entstandene Strukturen, Gesetzlichkeiten und inhaltliche normative Vorstellungen und diskutiert das umfängliche Ausbildungs- und Prüfungssystem für die Amateure. Probleme für Musik und Technik, die sich aus den bekannten wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten ergaben, werden im Kontext Diskothek thematisiert. Denn trotz der von offizieller Seite konstatierten Probleme fehlender „sozialistischer Tanzmusik“, schwer zu beschaffender und ungenügender Unterhaltungselektronik, unbefriedigender Diskjockey-Qualität an der Basis sowie unzureichender Räumlichkeiten und Gastronomie, die sich auch in veröffentlichten Leserbriefen wiederfinden, erfreute sich die Diskothek in der DDR seitens des Publikums einer überaus großen Beliebtheit und Resonanz. In einer theoretischen Auseinandersetzung wurde der mediale Gehalt der Diskothek diskutiert und die relevanten Faktoren in ein medienwissenschaftlich verankertes Dispositivkonzept integriert.
Weitere Informationen: http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,931#
Thomas Wilke (2009): Schallplattenunterhalter und Diskothek in der DDR. Analyse und Modellierung einer spezifischen Unterhaltungsform. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag. 541 Seiten, ISBN: 978-3-86583-398-3
