Forschungsprofil
Forschungsschwerpunkt „Medienanthropologie“
Unter dem Terminus „“Medienanthropologie“ wird ein Forschungsfeld zusammengefasst, das den Begriff selbst in ein Beziehungsraster mit weiteren - diesem in Opposition wie Ausdifferenzierung gleichzeitig verbundenen – Termini stellt. Der „Medienanthropologie“ steht dabei die „Anthropologie der Medien“ gegenüber, beide verbunden mit der Ebene der Sinne und Sensorik, die ihrerseits wiederum in der Opposition von materieller Basis und kulturspezifischer Ausformung gesehen werden müssen. Im Zentrum aller dieser Ausprägungen des Forschungsschwerpunktes steht dann die Reflexion dieser Zusammenhänge in theoretischer wie historischer Dimension.Diese Erweiterung der Forschungsperspektiven um die anthropologische Dimension auf einer transdisziplinären Grundlage lässt erwarten, dass für einige bekannte, aber bisher selten als erklärungsbedürftige Phänomene wie bspw. Information und Unterhaltung (zumeist als Gegensatz verstanden) konsistente Erklärungen angeboten werden können. Diese auch als „transkulturelle Schemata“ oder „Universalien“, die als Grundlagen menschlichen Interesses und Gefallens verstanden werden können, treten dabei stets in historisch wie kulturell spezifischer Form auf. Auf der Grundlage ihrer biologisch-anthropologischen Grundlagen können die Rezeptions- und ästhetischen (Be)wertungshandlungen als Dispositionen verstanden werden, die häufig auf einer unbewussten Ebene darüber entscheiden, ob Wahrgenommenes als wichtig, interessant, angenehm oder gar attraktiv eingeordnet wird. Diese Dispositionen beziehen sich auf angeborene Tendenzen mit einer gewissen Ausprägung und Verteilung in einer Population, die konkrete Handlungen zwar beeinflussen, diese aber keineswegs präjudizieren. Handlungen sind demgegenüber stets individuell, historisch wie kulturell spezifisch; sie sind es, die primär zu beobachten sind.Diese Erweiterung der Forschungsperspektiven betrifft insofern alle bisherigen (‚klassischen’) Felder der Medienwissenschaft, wenn sie z.B. in einer „Anthropologie der Medien“ den Ansatz einer „Integralen Mediengeschichte“ aufnimmt, diesen aber weiterentwickelt. Ziel ist dabei die kohärente Darstellung einer Mediengeschichte der Sprache, des Texts, der Bilder (und Bewegtbilder) und der Tonerzeugung und -wahrnehmung (Stimmen, Geräusche, Musik) im Zusammenhang mit ihrer hauptsächlich elektrischen, elektronischen und digitalen Produktion und Distribution. Leitfragen können dabei z.B. sein: Wie haben sich Sprechen und Hören durch Telefon, Tonfilm und Rundfunk (Radio und Fernsehen) verändert? Wie beeinflussen Fotografie (z.B. Illustrierte) und Spielfilm (Inszenierungsschemata) die habituelle gestische und mimische Performanz? Welche Prägung erfährt personale und soziale Identität im medialen Kraftfeld?Mit der materiellen Basis der Sinne sind dabei die nur in transdisziplinärer Öffnung zu bearbeitenden Grundlagen für die Dispositionen und ihre evolutionäre Basis gemeint, deshalb soll der Schwerpunkt in Kooperation mit den Instituten Psychologie (Wahrnehmungspsychologie), Kunstwissenschaft, Musikwissenschaft sowie Medien- und Kommunikationswissenschaft gebildet werden. Medial orientierte Kultur- und Textwissenschaften sind zur Beteiligung herzlich eingeladen.Die kulturspezifische Ausformung der Sinne und der Sensorik untersucht dabei in historischer wie transkultureller Dimension die konkreten Ausprägungen und (Wertungs)handlungen. Insgesamt stützen sich diese Pläne auf seit längerem bestehende Kooperationen zwischen den genannten Instituten.Diese Ausführungen zu den Forschungsscherpunkten beziehen sich auch auf Überlegungen, entsprechende Studiengänge (Bachelor-, Master- und Ph. D.-Studiengänge) einzurichten; diese sollen dann neben einer allgemeinen grundlegenden Ausrichtung (Bachelor) zwei Masterstudiengänge umfassen, die eine eher pragmatisch, berufsspezifische sowie eine interdisziplinär, transkulturelle Ausrichtung umfassen. Der vorgesehene Ph.D-Studiengang betont demgegenüber die theoretisch reflexive Komponente des Forschungsfeldes.
