Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Blick auf das mitteldeutsche Multimediazentrum

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Forschung und Praxis

Medien bestimmen als Moment der Moderne seit der Aufklärung mit, was und wie die Menschen denken, fühlen und wollen. In den modernen Medienkulturgesellschaften der Gegenwart sind die Leistungen, die die Medien für den Einzelnen wie die Gesellschaft erbringen – zum Beispiel die Steigerung der Selbstreflexivität – immer weiter angewachsen. Sie bilden heute ein dichtes kommunikatives Netz, das alle Lebensbereiche der modernen Menschen umschließt und verbindet.

Das Internet muss dabei als die gegenwärtig – und vermutlich auch in Zukunft – am stärksten einflussnehmende mediale und kommunikative Entwicklung des neuen Jahrhunderts betrachtet werden, die zu weiteren Verdichtungen und Vernetzungen nun sogar im global Maßstab führt.

Von seinen multimedialen Möglichkeiten her integriert das Internet mit Web 2.0 mediale Kulturen der Produktion und Rezeption, die sich aus textsprachlichen, visuellen und akustischen Gebrauchsweisen in der Kommunikation entwickelt haben. Die hohe integrative multimediale Leistungsfähigkeit des Web 2.0 macht es notwendig, diese medienhistorischen und mediananthropologischen Zusammenhänge zu kennen, weil nur so ein selbstbestimmter, reflexiv distanzierter und responsibler Gebrauch multimedialer Kommunikation möglich erscheint.

Die breite historische Rekonstruktion von technischen, ästhetischen und institutionellen Traditionen der medialen Artikulation, visuellen Performativität und akustischen Wahrnehmung medialer Angebote gehört also notwendig in das Wissen, das Akteure und Gesellschaften heute benötigt, um in der „neuen“ Welt der dichten Kommunikation medienkompetent zu leben und professionell mit Medien zu handeln.

Medienangebote in allen ihren Beziehungen und Interaktionen verstehen und handhaben zu können, setzt theoretisches Wissen um die wesentlichen Strukturen und Funktionen der Einzelmedien voraus. Indem die Einzelmedien als „Trägermedium“ sozialer Interaktionen und Kommunikationen auftreten, definieren sie von Beginn an zugleich ihren sozialen Gebrauch mit. Ihr jeweiliges technisch und sozial handhabbares Dispositiv ist deshalb immer auch das Dispositiv ihrer Wirkung und des Wissens, das sie vermitteln. Insofern sind mediale Kommunikationen eng in die Praxis einzelner Akteure wie der Gesellschaft – auf allen Ebenen – eingebunden.

Weil man ohne theoretischen Zugang diese Zusammenhänge nicht kritisch in der Praxis medialer Kommunikation berücksichtigen kann, muss eine avancierte Medienwissenschaft immer eine Balance zwischen Praxis und Theorie herzustellen versuchen. Sie muss kompetent sein, Medientheorie praktisch werden zu lassen und mediale Praxis theoretisch anleiten und reflexiv begleiten zu können.

Medien bestimmen mit, was wir von der Wirklichkeit wissen, in der wir leben. Sie rahmen alle Wirklichkeitsmodelle und entsprechende Praxen für einzelne Akteure in modernen Gesellschaften lebenslang ein. Sie überbrücken zudem die Vergänglichkeit des individuellen Erlebens und Wissens, indem sie ein Archiv des gemeinsamen Wissens über die Wahrnehmung und den Gebrauch der Realität etablieren, und darüber, wie in dieser Realität Ziele zu erreichen sind und wie zu verhindern.

Daraus folgt für jeden Einzelnen wie für Gesellschaften eine lebenslange, zeitüberdauernde Anforderung, die Medien und ihre jeweilige Logik kompetent und über gesellschaftliche Umbrüche hinweg nutzen zu können. Die Medien- und Kommunikationswissenschaft in Halle fördern auch das Verständnis von lebenslangem Lernen, weil Medien in alle Lehr- und Lernprozesse grundlegend einbezogen sind und sie in ihren Wirkungen mitbestimmen.

Die Forschungsschwerpunkte der Abteilung haben sich im Rahmen dieser geschilderten Grundannahmen in den letzten Jahren gemeinsam mit der Lehre entwickelt. Einzelnen Forschungs- und Lehrbereiche sollen hier knapp hervorgehoben werden:

• Schwerpunkt Mediengeschichte: durch Drittmittelprojekte und eigene Forschungen (u.a. auch durch die LfM NRW) sind historische Aspekte der visuellen Kultur (z.B. Ikonisierungen) aufgearbeitet worden. Dazu haben Tagungen stattgefunden, deren Ergebnisse publiziert wurden.

• Schwerpunkt Wissen: Die Abteilung ist beteiligt an dem Landesforschungsschwerpunkt der Universität „Aufklärung – Religion – Wissen“. Professoren des Departments sind dabei mit Schwerpunkt im Bereich Wissen eingebunden und an der Vorbereitung eines IWZ Wissen beteiligt.

• Schwerpunkt Fernsehen: Die Abteilung hat in der Vergangenheit und Gegenwart erfolgreich Drittmittelprojekte eingeworben, die teilweise über sechs oder mehr Jahre hinweg Forschungskapazitäten zum Fernsehen und zur Fernsehprogrammforschung gebunden und geformt haben. Zu nennen ist hier etwa die DFG-Forschergruppe 482 „Deutsches Fernsehen – Ost“, so auch der Titel der gemeinsamen Abschlusspublikation, an der fast alle Mitglieder des Departments beteiligt waren. Im Rahmen der Forschergruppe sind sechs Dissertationen am Department erfolgreich verteidigt worden.

• Schwerpunkt Multimedia: Film, Rundfunk und Presse ‚multimedialisieren‘ sich durch das Internet rapide, wodurch Forschung und Lehre zu technischen, nutzungspraktischen und ästhetischen Aspekten digitaler Medien zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dem trägt das Institut schon seit mehreren Jahren Rechnung durch die Einrichtung des Masterstudienprogramms „Multimediale Autorschaft“. Zudem findet hier seit einigen Jahren eine kritische Auseinandersetzung mit populärer Kultur/populärer Performanz statt, die inzwischen durch Tagungen, Kolloquien und Seminare gefestigt ist.

• Schwerpunkt Film und Video: Neben zahlreichen Praxis bezogenen, in materiellen Medienproduktionen resultierenden studentischen Lehr-Projekten in diesem Arbeitsfeld (z.B. TV-Serie „Ein Campus voller Leben“) ist hier auch die neueste Einwerbung des Forschungs-Projekts „Your history“ zu nennen. In den letzten Jahren sind in diesem Schwerpunkt zahlreiche studentische Filmarbeiten entstanden, die auch Preise erhalten haben. Die Abteilung ist hier am besten mit der regionalen Wirtschaft verzahnt, wie zahlreiche Kooperationen dokumentieren.

• Schwerpunkt Audio: Auditive Medien erhalten erst seit einigen Jahren in den Medienwissenschaften systematisch Aufmerksamkeit, so dass hier forschungssystematische, theoretische und methodische Grundlagen für die Bearbeitung von Fragen u.a. zur Radioästhetik, zu Ästhetik und Rezeption medienbasierter akustischer Kunstformen und zur Geschichte der Audiomedien im interkulturellen Vergleich behandelt werden. Diese Entwicklungen sind teilweise umgesetzt im neuen, vom Land geförderten berufsbegleitenden Masterprogramm „Online-Radio“.

Mit diesen Forschungen ist die Abteilung Medien- und Kommunikationswissenschaft zugleich in ein Netzwerk von Forschungsschwerpunkten der Fakultät fest eingebunden, im Besonderen in die Schwerpunkte Wissensforschung: Wissenstraditionen und Transformationsprozesse (mit Medizinisches Wissen und Gesundheitskommunikation; Veränderungen des Wissensdiskurses im Kontext der Internetkommunikation), Kulturelle Kontaktprozesse (mit Film als Ort des Kulturkontakts und Kulturkonflikts), Medien der Moderne (mit Medialität des Öffentlichen/Privaten; Medienästhetik des Radios).

Die Abteilung hat ihre Forschungsergebnisse in zahlreichen Einzelveröffentlichungen, aber auch in eigenständigen Publikationsreihen (Hallischen MedienArbeiten, graue Reihe (HALMA); SPIEL, Halbjahreszeitschrift) und herausgegebenen Buchreihen öffentlich gemacht.

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